Sadisten   06. März 2020

 
Meine Lebensgefährtin, die ich auch meine Frau nenne, weil sie und ich schon 33 Jahre Tisch und Bett teilen, lebt mit mir zusammen, ohne wissen zu wollen, was ich literarisch schaffe. Mein literarisches Schaffen ist ihr egal. Das interessiert sie nicht. Davon will sie nichts wissen. Meine eigene Frau will nichts von mir und dem, was mir am Wichtigsten ist, wissen. Sie will nicht mit mir in engen Kontakt treten, will sich nicht mit mir, wie es für Mann und Frau normal wäre, austauschen, weder körperlich noch geistig noch seelisch. Wenn ich ihr körperlich, geistig oder seelisch zu nahe trete, schreit sie mich an: "Lass mich in Ruhe!" Ich will meine Frau nicht schlecht machen. Sie ist eine gute Frau, ansonsten wäre sie schon lange nicht mehr bei mir. Aber mehr als normalerweise üblichen Kontakt mit mir will sie nicht, d.h. sie will keinen geistig-seelisch-körperlich intimen Kontakt mit mir. Intimität mit mir erlaubt sie nicht, womit ich nicht nur körperliche, sondern auch geistige und seelische Intimität meine.
Alle wollen von mir nur eins: In Ruhe gelassen werden. Es gibt keinen einzigen Menschen, der sich mit mir geistig, geschweige denn seelisch austauschen will, auch meine Mutter nicht, auch meine Geschwister nicht, die Leute erst recht nicht, niemanden, keinen einzigen Menschen. Ich bin total isoliert, als wäre ich ein schwerer Fall von Authismus, nur im umgekehrten Verhältnis: Ein Authist kann nicht in Kontakt mit anderen treten, er erlaubt aufgrund psychischer Blockaden den Kontakt nicht. Ich aber kann es und will es, aber niemand, kein einziger Mensch erlaubt es. Es ist, als befände ich mich inmitten von Menschen hinter Mauern, die mich umgeben und menschliche Kommunikation unmöglich machen. Doch sind diese Mauern nicht meine Mauern. Sie sind die Mauern, welche Menschen um sich bauen, um sich von mir abzuschotten. Sie wollen nichts mit mir zu tun haben. Es ist so, als hätten alle Angst, sich bei mir mit dem Corona-Virus anzustecken, um einen aktuellen Vergleich zu ziehen. Das ist eine Qual für mich. Es ist die Qual meiner von anderen erzwungenen Einsamkeit.
Diese Qual der Einsamkeit ist charkateristisch für meine letzten 40 Lebensjahre. Vor 40 Jahren wurde ich wegen der Diagnose einer "paranoiden Schizophrenie" voll erwerbsunfähig berentet.
Mit Jimi Hendrix kann ich meine Qual der Einsamkeit in seiner Musik teilen. Das erleichtert die Qaual.  Das verbindet Jimi und mich musikalisch. Seine Musik hat ihn ja überlebt. Ich nenne das Kommunion mit Jimi.
Auch in den Liedern der Hare Krishna-Bewegung spüre ich die verbindende Kommunion in der Musik. Ich nehme am Ganzen teil. Das hebt die Qual der Einsamkeit eine Zeit lang auf.
In meiner geographischen Heimat, in meiner ländlichen Umgebung gibt es niemanden, der die Musik von Jimi Hendrix und die Lieder der Hare Krishna-Bewegung liebt. Auch meine Frau und meine Familie teilen diese Liebe nicht mit mir. Das muss ja auch nicht sein. Damit kann ich leben.
Schlimm ist es aber, dass ich keinen einzigen Menschen kenne, der mein Eigenes liebt, nämlich meine Bücher und meine Internetveröffentlichungen. Auch meine Frau und meine Familie lieben dieses, mein Eigenes und Einzigartiges nicht. Es hat mich noch niemand mit liebendem Interesse darauf angesprochen. Mein Eigenes, mein Einzigartiges liebt niemand. Menschen, die sich in Liebe begegnen, lieben das Eigene, das Einzigartige im anderen Menschen. Menschen in Liebe begegnen, das gibt es in meinem Leben nicht. Das fehlt mir. Das ist es, was mir fehlt. Das ist meine Qual der Einsamkeit. Darum sind meine Bücher Bücher der Einsamkeit geworden.
Meine Qual der Einsamkeit fühlt sich an, als wäre die gesamte Menschheit ausgestorben und ich wäre der einzige Mensch, der überlebt hat. Ich kann es auch umgekehrt ausdrücken, was das Gleiche ist: Man behandelt mich, als wäre ich schon 40 Jahre tot, indem man mich seit 40 Jahren total ignoriert und isoliert.
Die Qual meiner Einsamkeit besteht in einem totalen Isoliert-Sein, das nicht von mir, sondern von den mich umgebenden Menschen ausgeht. Die Menschen tragen die Schuld an der Qual meiner Einsamkeit. Sie quälen mich absichtlich, absichtlich, weil sie wissen, dass es mich quält, von ihnen ignoriert und isoliert zu werden. Weil sie mich also bewussst und absichtlich quälen, sind sie Sadisten.
Meine Qual, welche die Menschen mir bereiten, indem sie mich total isolieren, ist unerträglich. Ich kann sie fast nicht mehr aushalten. Ich bin ein Notfall, will aber nicht als Notfall behandelt werden, da eine psychiatrische Notfall-Behandlung alles noch viel schlimmer machen und mich um Jahrzehnte zurückwerfen würde. Es soll aber trotzdem öffentlich gemacht werden, dass ich diese Qual fast nicht mehr ertragen kann. Meine Qual befindet sich an der Grenze des Erträglichen.
Da ich diese unerträgliche Qual aber schon seit Jahrzehnten aushalte, werde ich sie auch noch den Rest meines Lebens aushalten.
 
 
 

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