Meine Entscheidung für ein normales Leben

 
Als ich 1977 die ersten Bücher der Hare Krishna-Bewegung las, war ich davon überzeugt, meinen Weg gefunden zu haben. Ich war begeistert und glaubte, was der spirituelle Meister der Hare Krishna-Bewegung in seinen Büchern geschrieben hatte. Mein Wunsch und Ziel war es, Ordensmitglied der Hare Krishna-Bewegung zu werden. Doch das war nicht so leicht und nicht so einfach. Um Ordensmitglied zu werden, musste man vier Enthaltsamkeitsregeln befolgen:
 
1. Es war verboten, Fleisch, Wurst, Fisch und Eier zu essen.
2. Sex war nur in der Ehe und nur zum Zweck der Zeugung von Kindern erlaubt.
3. Es war verboten, Drogen, Alkohol, Nikotin und Koffein bzw. Teein zu sich zu nehmen.
4. Man durfte nicht an Glücksspielen teilnehmen wie zum Beispiel Lotto.
 
Diese vier Gelübde auf mich zu nehmen, bedeutete für mich, einen schweren Kampf gegen meine Bedürfnisse und natürlichen Wünsche zu führen. Es war ein Kampf, der Jahrzehnte dauerte und den ich auch nach Jahrzehnten nicht gewinnen konnte. Deshalb wurde ich nie Ordensmitglied der Hare Krishna-Bewegung, sondern gehörte immer nur ihrem Freundeskreis an.
Ich war immer hin und her gerissen zwischen einem Leben in der Hare Krishna-Bewegung und einem normalen Leben, wie es die Menschen meiner geographischen Umgebung führen. Ich saß über Jahrzehnte zwischen zwei Stühlen und konnte mich nie für einen der zwei Stühle ganz entscheiden.
Ich wiederhole, dass es sich um einen schweren Kampf handelte, der mich innerlich zerriss und an dem ich schwer litt.
 
Erst um das Jahr 2000 fing ich an zu verstehen, dass dieser Kampf sinnlos war, weil ich ihn nicht gewinnen konnte. Ich entschied mich immer ein Stückchen mehr für ein normales Leben, wie es der Norm in Deutschland entspricht. Demzufolge lockerte sich die innere Angespanntheit immer ein Stückchen mehr. Um 2000 begann ich auch, mit meinem literarischen Schaffen an die Öffentlichkeit zu treten.
Und inzwischen, seit ca. zwei-drei Jahren, habe ich mich ganz für ein normales Leben entschieden und in meinem literarischen Schaffen meinen eigenen, individuellen Weg und Lebenssinn gefunden.
Meine einzige Enthaltsamkeit ist die Enthaltsamkeit vom Alkohol. Seit 2014 nehme ich keine alkoholischen Getränke mehr zu mir.
 
Dass ich mich für ein normales Leben entschieden habe, heißt nicht, dass ich jetzt die Ablehnung, Ignoranz, Ausgrenzung, Isolierung, Diskriminierung und das Mobbing der Leute für rechtens halte. Das zu tun, nur weil ich auf einem anderen Weg war als sie, war ein Unrecht der Leute. Ich bleibe dabei, dass diese Reaktionen der Leute auf mein individuelles Eigensein nicht in Ordnung und nicht wirklich gut katholisch sind.
 
 

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