Keine zivilisierte, keine kultivierte, keine menschliche, sondern eine barbarische, eine dämonische Gesellschaft

 
Eine Gesellschaft, in der Mast- und Schlachttiere massenweise, täglich zu Millionen bestialisch grausam gequält und getötet werden, ist keine zivilisierte, keine kultivierte, keine menschliche, sondern eine barabarische, eine dämonische Gesellschaft. Das gilt weltweit, auch für Deutschland. Eine Gesellschaft, die grausam zu Tieren ist, ist auch grausam zu Menschen. Man versteckt die Grausamkeit, es ist eine versteckte Grausamkeit, die zugedeckt wird. Man soll sie nicht sehen, aber man spürt sie, die Kälte und die Härte der Herzen, in denen Mitgefühl und Mitleid fehlen. Wir leben in einer kalt- und hartherzigen Gesellschaft. Darüber täuscht man mit allen Mitteln hinweg, doch sensible, empfindsame, intelligente Menschen kann man nicht darüber hinwegtäuschen. Sie sehen und spüren die Kälte und die Härte überall.
 
Ich empfand das als Kind schon so:
 
Vor einer halben Stunde hatte die Kirchenglocke von St. Josef in Dorf den Mittag eingeläutet. In unserer Zwergschule beten wir Kinder das "Vater unser" und das "Gegrüßt seist du, Maria". Wir stehen stramm wie beim Militär und verabschieden uns von unserer stahlharten Unterrichtsperson mit: "Auf Wiedersehn, Herr Lehrer!" Den ganzen Vormittag bis zum Schulschluss um 12:30 Uhr war ich mit den Gedanken nicht richtig dabei. Es quälte mich etwas tief drin in meiner Seele, das der Grund dafür war, dass ich dem Lehrer nur mit einem Ohr zuhören konnte. Mit gesenktem Kopf und in traurig und bekümmert gebückter Haltung verlasse ich langsamen Schritts das Schulgebäude. Ich habe es überhaupt nicht eilig, im Gegensatz zu den anderen Kindern, die im Laufschritt vom Schulhof forteilen. Stürmisch schnell bewegen sich ihre Beine, sie sind froh und erleichtert, dürfen für kurze Zeit wieder Kinder sein. Von den vier Jahrgängen, die in dem einen der zwei Klassenräume unterrichtet werden, gehöre ich zu den Jüngsten und Kleinsten. Ich bin im zweiten Schuljahr.
 
 
 
 
Aus meinem Buch "Die Texte und Fragmente des Walter Stein" (2014)
 
 
 

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