Ein heilsamer Wendepunkt in meinem Leben, erster Teil

 
Das Jahr 2000 war ein heilsamer Wendepunkt in meinem Leben. Ich begann damals, schwere Denkfehler zu korrigieren. Ich erkannte zum ersten Mal, dass ich auf dem Weg der Hare Krishna-Bewegung nicht weiter kam und auf diesem Weg in eine Sackgasse geraten war, in der ich feststeckte. Es ging nicht mehr vor und nicht mehr zurück.
Mir wurde bewusst, dass die Krishna-Bewegung sich in einigen philosophischen und praktischen Punkten irrte. Es handelte sich um Irrtümer, die ich 2000 erstmals als solche zu verstehen begann.
Der schwerste dieser Irrtümer war der theologische Irrtum, das falsche Verständnis Gottes, der falsche Gottesbegriff. Der höchste Gedanke der Krishna-Bewegung war ein schwerer Irrtum.
In meinem sechsten Buch "Der schwarze Peter" steht auf Seite 126:
 
Die Tiefe in allen und allem nennt man Gott, und ich glaubte daran, was A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada, der spirituelle Meister der Hare Krishna-Bewegung, darüber sagte. Ich zitiere sinngemäß, nicht wörtlich:
"Das göttliche Wesen wird in drei Schritten, je nach Tiefe der Erfahrung, erkannt. Der erste Schritt in der Erkenntnis Gottes ist das Brahman, die Erfahrung des kosmischen All-Eins-Seins. Der zweite Schritt ist die Erkenntnis, dass dieses kosmische All-Eins-Sein ein immanentes göttliches Wesen ist, die Überseele, der Paramatma. Dieses immanente göttliche Wesen wohnt allen und allem als immanente (innere) Gottheit inne. Der dritte Schritt in der transzendentalen Gotteserkenntnis ist die Erfahrung des Höchsten Persönlichen Gottes, Shri Krishnas, der dieses immanente, kosmische Wesen in allen und allem Höchstpersönlich ist. Das heißt, dass Krishna als persönlicher Urgott und als Ursache aller Ursachen die tiefste aller Erfahrungen und die höchste aller Erkenntnisse ist und die Brahman- (erster Schritt)  und Paramatma-Erkenntnis (zweiter Schritt) in sich beinhaltet."
 
Dieses Zitat aus meinem sechsten Buch beinhaltet den theologischen Gottesbegriff, den höchsten Gedanken der Hare Krishna-Bewegung. Im Jahr 2000 begann ich, an der Richtigkeit dieser Theologie zu zweifeln.
Heute mache ich hier auf meiner Homepage erstmals öffentlich, dass ich diesen theologischen Gottesbegriff, den höchsten Gedanken der Hare Krishna-Bewegung, für einen schwerwiegenden Irrtum halte. In diesem schwerwiegenden Irrtum bestand mein Irrsinn, meine Verrücktheit.
Wenn wir bei obiger Beschreibung einer dreistufigen Gotteserkenntnis bleiben, dann ist die Stufenfolge in Wirklichkeit umgekehrt, als sie von der Hare Krishna-Bewegung vertreten wird.
Der erste Schritt ist das Verehren, Anbeten, Lobpreisen des persönlichen, gestalthaften Gottes. In der Hare Krishna-Bewegung ist das Krishna, in anderen Traditionen sind es andere Gottheiten, Z.B. in der christlichen Tradition Jesus Christus. Der erste Schritt ist also die Bhagavan-Erkenntnis. Mit Bhagavan ist der persönliche, gestalthafte Gott gemeint.
Dies führt allmählich zu einer Bewusstseinsvertiefung. Hinter der Form, der Gestalt, dem Bild, dem Namen, tiefer als die Oberfläche, erfährt man ein alles durchwesendes Wesen, das in allen und allem immer und überall gegenwärtig ist und alle und alles verbindet. Dieses Wesen wird mit der jeweiligen Gottheit identifiziert. Diese zweite Stufe ist die Paramatmaerkenntnis,  das Erfahren der Überseele in allen und allem.
Im dritten Schritt vertieft sich das Bewusstsein bis in den absoluten Grund, das allumfassende, formlose, gestaltlose, namenlose, bildlose Sein, den transpersonalen Wesensgrund alles Existierenden, in dem es keine Grenzen der Form, der Gestalt, des Bildes, des Namens mehr gibt. Das allumfassende, all-eine, transpersonale Sein in allem, was existiert, ist die tiefste und höchste Gotteserkenntnis. Der dritte Schritt der Gotteserkenntnis ist also die Brahmanerkenntnis.
Die Reihenfolge der Hare Krishna-Bewegung, Brahman-Paramatma-Bhagavan, ist falsch. In Wirklichkeit ist die Reihenfolge umgekehrt, Bhagavan-Paramatma-Brahman.
Das höchste und tiefste Wesen in allen und allem ist das formlose, gestaltlose, grenzenlose, namenlose, bildlose, transpersonale, all-eine, kosmische, absolute Sein, das innerste Zentrum alles Existierenden, in dem alles eins ist.
Zwei katholische Geistliche haben es gut verständlich bei YouTube erklärt, wie es wirklich ist. Man kann dieses mystische Bewusstsein also auch im Christentum und in jeder Hochreligion finden.
 
Im ersten YouTube-Video spricht der Benediktinermönch David Steindl-Rast. Klicken Sie bitte den Internetlink an:
 
Im zweiten YouTube-Video spricht der Benediktinerpater Willigis Jäger. Klicken Sie bitte an:

Mein Glaube und meine Überzeugung, dass Krishna, Der Höchste Persönliche Gott, die absolute Wahrheit und die Ursache aller Ursachen ist,  war meine Geisteskrankheit, denn dieser Glaube und diese Überzeugung waren Lüge und hatten fatale Folgen.
Das heißt aber nicht, dass ich mich jetzt als Sünder fühle und beichte und bereue. Nein, ich habe zwar einen Fehler gemacht, aber Fehler sind da, um aus ihnen zu lernen. Aus Fehlern wird man klug. Auch verteufle ich nun Krishna und die Hare Krishna-Bewegung nicht. Krishna ist zwar nicht Der Höchste Persönliche Gott, aber ich stelle ihn auch nach der Korrektur meines Denkfehlers immer noch auf die gleiche Stufe mit Buddha und Christus. Ich bleibe auch dabei, dass die Hare Krishna-Bewegung kein Teufelswerk ist, sondern eine anerkannte Religion, in der es auch Irrtümer und Fehler geben darf. Irrtümer und Fehler gibt es in jeder Religion, auch in der christlichen. Die dominierende Richtung des Christentums unterliegt ja dem gleichen Irrtum und begeht den gleichen Fehler wie die Hare Krishna-Bewegung, indem sie den persönlichen, gestalthaften Jesus ebenso als Höchste Persönlichkeit Gottes dogmatisiert. Es ist die gleiche Geisteskrankheit wie die der Hare Krishna-Bewegung. Die Gestalt, die Form, den Namen, das Begrenzte über das Gestaltlose, Formlose, Namenlose, Unbegrenzte zu stellen, das ist der Irrtum und der Fehler. Es geht nicht darum, welche Gottheit die wahre oder die falsche Gottheit ist, sondern darum, dass alle Gottheiten aus dem göttlichen Urgrund hervorgehen und wieder in ihn zurückkehren. Sie sind mit Wellen zu vergleichen, die kommen und gehen. Nicht die Wellen sind der Grund des Ozeans, sondern der Ozean ist der Grund der Wellen.
Krishna bleibt für mich eine der anziehendsten und liebenswertesten Gestalten der Religionsgeschichte. Für mich steht er auf der gleichen Stufe mit Buddha und Jesus Christus, um es zu wiederholen. Krishna, Buddha und Christus waren alle drei Menschen, die so durchlässig und offen für den all-einen göttlichen Wesensgrund waren, dass das Göttliche durch sie wirkte, so wie ein Musiker durch sein Musikinstrument wirkt. Sie waren Instrumente des Göttlichen, Instrumente des all-einen Selbst.
Der Sinn des menschlichen Lebens besteht darin, in der Form, der Gestalt, der Persönlichkeit, dem Ich durchlässig, transparent zu sein für das all-eine göttliche Sein, für das all-eine Selbst, also in der Oberfläche durchlässig für die Tiefe und damit Zeuge des Überweltlichen in der Welt zu sein. Krishna, Buddha, Christus und viele andere hatten diesen Sinn des menschlichen Lebens vollständig erfüllt. Sie waren durchlässige, transparente Menschen, durch die das göttliche Sein wirkte. Zu solchen Menschen sollen auch wir werden.
 
In kürzester und knappster Form ausgedrückt, besteht die Korrektur des schwerwiegenden theologischen Irrtums, des Denkfehlers darin, dass Gott bzw. das Göttliche keine gestalthafte Person, sondern ein erleuchteter Bewusstseinszustand des All-Eins-Seins ist, der im tiefsten Grunde unseres Wesens als tiefste Wirklichkeit erfahrbar ist. Es ist ein Zustand grenzenloser, zeitloser Freude und Liebe. Wir werden nicht von einem persönlichen Gott überwacht und gerichtet und bestraft, wenn wir gegen seine Gebote und Verbote verstoßen. Einen solchen persönlichen Gott, einen Herrgott gibt es nicht. Religionen, die diesen persönlichen Gott predigen, haben unendlich viel Unheil angerichtet. Den Glauben an diesen strengen, autoritären Herrgott, an diesen Götzen zu verwerfen, ist ein großer Fortschritt. Das Göttliche als erleuchteten Bewusstseinszustand zu verstehen und zu erfahren, ist die Wahrheit, die Wirklichkeit. Wir dürfen so sein wie wir sind, egal wie wir sind, denn wir sind im tiefsten Wesen das all-eine göttliche Sein. Daraus ergibt sich vollständige Befreiung und Heilung.
 
 
 
 

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